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Donaudelta 2008

Nachdem das Donaudelta in diesem Jahr zur "Landschaft des Jahres" gekürt worden war, entschlossen wir uns zu einer einwöchigen Paddeltour durch das Delta. In den Achziger Jahren war ich zweimal im Delta paddeln, damals glich alles einer Expedition in eine wilde, einsame und naturbelassene Landschaft ausserhalb der Zivilisation - aber wie síeht es nach über 20 Jahren heute im Delta aus?

Da die Anreise mit eigenem Boot noch immer recht beschwerlich ist, buchten wir bei Michael Kramer (Kramers Kanureisen unter Links zu finden), der sich auf Paddelreisen entlang der Donau und im Delta, aber auch auf viele Touren in anderen Ländern spezialiert hat. Noch immer ist es schwer möglich, Boote vor Ort zu mieten. Die Anreise erfolgte individuell nach Tulcea, der Stadt am Tor zum Delta.

Obwohl inzwischen im Delta viele Touristenboote unterwegs sind, ist es im tiefen Delta immer noch ruhig, einsam und naturbelassen.

Zu Siebt starteten wir mit drei Kanadiern und einem Faltboot von Michael von Tulcea aus in den nördlichen Teil des Deltas, oberhalb des schiffbaren Sulinakanals. Anfangs begegneten uns noch sehr viele Tages-Ausflugsboote von Tulcea, später wurde es ruhiger und einsamer. Übernachtet wurde im Zelt auf kleinen Landzungen entlang der Kanäle. Leider hinterließen viele vormalige Camper ihren Müll an den Campplätzen, was leider eine unschöne Sitte geworden ist.

Die Landschaft ist sehr interessant, Kanäle und Seen gehen ineinander über und die Zahl der verschiedenen Vögel ist beeindruckend. Als Nicht-Vogelkundler konnten wir nur ein paar Exemplare identifizieren. Die Pelikane sind sehr scheu, so daß wir sie nur im Flug zu ihren Fischzügen fotografieren konnten. Der kleine Eisvogel war wiederum zu flink für die Kamera. Von den motorisierten Ausflugsbooten aus hat man keine Möglichkeit, die Vögel zu sehen. Sie fliehen vor den Motorgeräuschen. Im Paddelboot kann man aber recht nahe an die Vögel herankommen.

Mückenschwärme trieben uns natürlich nach Einbruch der Dunkelheit ins Zelt. Die knorrigen Weidenbäume entlang der Kanäle und an den Seerändern sind geradezu märchenhaft. Die Seen sind zum Teil sehr groß und bei stärkerem Wind ist Vorsicht geboten. Die vielen Wasserpflanzen filtern das Wasser und in den Seen ist es daher teilweise recht klar. Der Fischreichtum sorgt dafür, daß das Delta ein wahres Vogelparadies ist, auch für Massen von Zugvögeln im Frühjahr und Herbst.

Insgesamt legten wir etwa einhundert Kilometer zurück, besuchten das Fischerdorf Mila 23 (heißt Meile 23, das Dorf liegt 23 Seemeilen vom Schwarzen Meer entfernt) und paddelten über die Altdonauarme des Sulinakanals nach Sulina ans Schwarze Meer. Von Sulina geht die Fähre stromaufwärts zurück nach Tulcea.

Eine kurze, aber überaus interessante Paddelwoche lag hinter uns. Will man das gesamte Delta erkunden, benötigt man in etwa zwei bis drei Wochen. Für Paddel- Natur- und Vogelfreunde ganz sicher ein lohnendes Ziel.

Informationen zum Donaudelta finden sich zahlreich im Internet. Außer dem eigenen mitgebrachten Boot oder der Buchung einer Tour gibt es leider keine Möglichkeit, ein Paddelboot vor Ort zu mieten.

Hier eine kleine Karte vom Delta zum Überblick. Links die Stadt Tulcea, der Ausgangspunkt ins Delta. Vor Tulcea hat sich bereits der Chilia-Arm der Donau abgetrennt und fließt nördlich an der Grenze zur Ukraine ins Schwarze Meer. In der Mitte der Sulina-Arm von Tulcea nach Sulina (rechts auf der Karte) am Schwarzen Meer. Der Sulina-Arm ist weitgehend begradigt und für die Hochseeschiffe schiffbar. Die Entfernung Tulcea-Sulina beträgt etwa 100 km. Etwas unterhalb von Tulcea zweigt der St. Gheorghe-Arm nach Sfintu Gheorghe am Schwarzen Meer ab. Zwischen diesen drei Hauptarmen der Donau erstreckt sich das Delta mit unzähligen großen und kleinen Kanälen, großen und kleinen Seen, aber auch Landzungen (Grindul), die einmal Küstenstreifen am Meer waren (die gelben Gebiete auf der Karte).

Jährlich schiebt die Donau mit ihren "Ballaststoffen" das Delta etliche Zentimeter weiter ins Schwarze Meer. Vor hundert Jahren lag die Küste des Schwarzen Meeres in etwa in der Mitte des heutigen Deltas. So verwundert es nicht, wenn man mitten im Delta am Sulina-Arm auf einen Leuchtturm stößt!

Man fragt sich natürlich, warum das Delta erst in den letzten hundert Jahren so stark gewachsen ist und noch immer wächst?

Der Grund: Das Gefälle im Delta ist minimal. Inzwischen liegen 100 Kilometer flachen Landes im Delta vor, aber die Donau transportiert ihre Ballaststoffe ungehindert auf den großen Armen weiter zum Meer, wo sie die Meerestiefen füllen und sich an der Küste ablagern. Von Sulina aus sind es heute schon zwei Kilometer bis zum Strand am Schwarzen Meer.

Als größtes zusammenhängendes Schilfgebiet der Erde, mit seinem Vogel- und Fischreichtum ist das Donaudelta seit einigen Jahren Weltnaturerbe. Einige Gebiete sind völlig gesperrt für Touristen, dort, wo die Brutkolonien der Vögel z.B. der Pelikane liegen.

Leider ist das Delta bedroht durch den Menschen. Hier ein Artikel aus dem Jahre 2005:

Ukraine gräbt dem Donau-Delta das Wasser ab

Deutsche Firma an umstrittenem Kanalbau beteiligt

Frank Herold

BERLIN, im September 2005. Für die Bewohner der ukrainischen Kleinstadt Wylkowe war es ein Feiertag, als kürzlich in der Nähe des Ortes der Bystroje-Kanal eröffnet wurde, der die Donau mit dem Schwarzen Meer verbindet. Man hofft, dass es jetzt endlich wirtschaftlich aufwärts geht, dass mit der erwarteten Belebung der Schifffahrt viele Arbeitsplätze entstehen.

Was auf der ukrainischen Seite als Zeichen der Hoffnung gilt, ist aus der Sicht vom rumänischen Ufer der Donau der mögliche Einstieg in eine gewaltige Umweltkatastrophe. Rumänische Behörden bemühen sich seit einem halben Jahr vergeblich, die Ukraine zu einem Stopp der Arbeiten zu bewegen. Sie befürchten, dass der neue Wasserweg am Nordarm das gesamte Donaudelta trocken legen könnte.

"Über die Chilia, den Nordarm des Deltas, geht schon heute über die Hälfte des Donauwassers ins Schwarze Meer. Wenn sie weiter ausgebaggert wird, bleibt für die anderen Arme kaum etwas übrig", erläutert Bogda Aurescu. Der Bukarester Vize-Außenminister hat von der Regierung den Auftrag erhalten, in Europa Alarm zu schlagen.

Brutgebiet seltener Vogelarten

Rumänien habe vom Beginn der Arbeiten im Mai erst aus der Zeitung erfahren, sagte Aurescu der Berliner Zeitung. Dabei schreibe das internationale Recht eine Prüfung der Umweltverträglichkeit unter Beteiligung aller Betroffenen vor. "Eine solche Untersuchung gibt es bis heute nicht", so Aurescu.

Seit 1990 gehört das Delta zum Weltnaturerbe. Die Unesco, die der Region diesen Status verliehen hat, dürfe deshalb nicht tatenlos zusehen, meint Aurescu. Erst 1999 hatten sich die Donau-Anrainer auf eine verstärkte Kooperation geeinigt, um die einmalige Naturlandschaft zu erhalten. Diese Vereinbarung wäre Makulatur, wenn die Ukraine ihre Pläne weiter verfolgt.

Das Donaudelta ist mit einer Fläche von über 400 000 Hektar Europas zweitgrößtes Feuchtgebiet. Sechs verschiedene Routen von Zugvögeln kreuzen sich hier. Im Delta brüten auch zahlreiche äußerst seltene Vogelarten wie Rosa- und Krauskopfpelikane, Sichler, verschiedene Reiherarten, Moorente und Seeadler. Schon jetzt haben die Arbeiten Schäden angerichtet. Unter anderem wurde eine große Brandschwalben-Kolonie zerstört. Auch die Fischbestände sind dezimiert, da die Bagger auf Laichzeiten und -gebiete keine Rücksicht nahmen.

"Es ist in der rumänischen Öffentlichkeit kaum zu vermitteln, warum sich eine deutsche Firma führend an der Zerstörung des Donau-Deltas beteiligt", sagte Aurescu. Hauptauftragnehmer ist die Hamburger Wasserbaufirma Möbius. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich immerhin bei seinem Rumänien-Besuch im Sommer gegen das Projekt ausgesprochen. Auch die EU-Kommission hat scharfe Kritik geübt, die Unesco sagte eine Untersuchung zu. Ungeachtet dessen wird inzwischen auf ukrainischer Seite die zweite Ausbaustufe in Angriff genommen.

In Kiew hält man die internationale Reaktion für unangemessen und überzogen. "Wir werden unsere Pläne nicht aufgeben", erklärte Vizeaußenminister Oleksandr Mozyk. Rumänien gehe es gar nicht um den Naturschutz, dort sorge man sich lediglich um seine Einnahmen aus dem Schiffstransit. Bukarest weist dies kategorisch zurück. Die Gebühren dienten entsprechend den alten internationalen Verträgen lediglich dem Erhalt der beiden rumänischen Kanäle, betont Aurescu.

Die rumänische Regierung kündigte nun an, sie werde sich an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag wenden. Selbst ein Urteil gegen die Ukraine würde jedoch die Bauarbeiten nicht stoppen. "Das internationale Umweltrecht kennt keine Sanktionsmechanismen, es baut auf den guten Willen der Beteiligten", erläutert Aurescu.

Soweit zu diesem Bericht! Hoffen wir, daß das Delta nicht weiter zerstört wird und sich viele Menschen für dessen Erhalt stark machen. damit die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren erhalten bleibt, denn sonst verlieren wir tatsächlich ein einmaliges Naturparadies in Europa!

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